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Fallstudien - Kasuistik aus Klinik und Praxis

Manuelle Therapie bei Dysphonie

Patient A. B. geb. 1970, männlich,

DIAGNOSE: Heiserkeit (Dysphonie – raue verhauchte schwache Stimme) bei Stimmlippenlähmung (idiopathische Recurrens-Parese) links

 

ANAMNESE:                                                                                                                                                 Stimmprobleme seit Ende Oktober 2013 und bei der Erstvorstellung bei mir im Februar 2014 zusätzliche ziehender leichter Schmerz im Hals links bis oberhalb des Kehlkopfes. 

Frage: Stimmbandlähmung einseitig? CT/MRT Befunde Nov. 2013 ohne Auffälligkeit im Verlauf des stimmversorgenden N. recurrens; nicht bewusster Infekt oder Grippe damals, nur leichter Schluckschmerz; auch keine Fieberbläschen oder Zeckenstiche; sonst ohne HNO-Probleme, bisher Behandlung logopädisch und von dort 2. Meinung/HNO-Untersuchung erfragt. 

Allgemeine Anamnese: keine Allergien; Medikamente: Vitamin B, Blutdruckmedikamente; Familienanamnese: unauffällig; keine wesentlichen früheren Krankheiten/Operationen; kein Nikotin; Alkohol: gelegentlich; Vegetativum:  Schlaf gut, Appetit normal, Verdauung gut, kein Schmerz.

 

UNTERSUCHUNGEN:                                                                                                                                           Hals-Nasen-Ohren-Status im Wesentlichen unauffällig bis auf die endo-stroboskopische Kehlkopfuntersuchung (vgl. Bilder im Anhang): diese zeigt die linke Stimmlippe in sogenannter Intermediär-Stellung mit exkavierter Stimmlippe (Atrophie des M. vocalis) und lässt eine Beteiligung des N. laryngeus recurrens UND des N. laryngeus superior annehmen. Halssonographie unauffällig. 

 

VERLAUF bis zum Sommer 2014: 

Neben Fortsetzung der Logopädie auch osteopathische/manualmedizinische Behandlung über zwei Monate, im 3-Wochen-Rhythmus mit Osteopathie, außerdem Akupunktur und Ernährungsempfehlung; N. recurrens über die Halswirbelsäule (C3/4) mitbehandelt: manuell HWS und BWS für freies Zwerchfell: C3/4, TH4/6, und Akupunkturbehandlung 1xig: bds. Leber 8 und links Magen 9. Am 25.4 und 16.5.14 jeweils Behandlung C3/4 und Halsfaszie. 10.6.: BWS und Mediastinum osteopathisch. Ende des Sommers 2014: Stimme wieder komplett zurück/gut; STROBOSKOPIE Juni 2014: beidseits respiratorisch bewegliche glatte, weiße Stimmlippen – links noch exkaviert, aber doch guter Schluss möglich, phonatorisch praktisch symmetrische Schwingungsamplitude, keine eindeutigen Reflux-Zeichen.

1 Jahr später - Juni 2015: Stimme recht gut, aber wieder Ziehen im Hals links bei Schmerzen in der rechten Schulter und einer tastbaren Verspannung im Bereich des ganzen Schultergürtels beidseits. Links aber noch asymmetrische, minder respiratorisch bewegliche glatte, weiße Stimmlippen (Excavation links gebessert und Schluss gut, wenn auch die rechte Stimmlippe über die Medianlinie kompensiert), perzeptiv/akustisch viel besserer Stimmklang, aber ganz leichte Heiserkeit bei genauem Hinhören, passend zu den subjektiven Beschwerden. Daher nochmalige Überweisung zur Behandlung manuell. Im Anhang noch die Bilder mit Parese und später deutlich gemindert – fast Normalbefund.

Abb. 1: Kehlkopfendoskopie vom Februar/März 2014: linke Stimmlippe (im Bild hier rechts) verkürzt und exkaviert in sogen. Intermediär-Stellung durch Parese des N. laryngeus recurrens et N. laryngeus superior – Heiserkeit und Luftnot beim Sprechen durch unvollständigen Stimmlippenschluss