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Fallstudien - Kasuistik aus Klinik und Praxis

Fallbeispiel 2

Ein ungewöhnlicher Verlauf bei Trigeminusneuralgie

Ein 76-jähriger männlicher Patient entwickelte vor 4 Jahren ohne erkennbare Ursache Schmerzen im Bereich der linken Gesichtshälfte, die heute durch Kauen, Zähneputzen und durch schon leichten Luftzug ausgelöst werden und sich ins Unerträgliche steigern. Es wurde vom Hausarzt und danach vom Neurologen eine Dauermedikation mit Carbamazepin und Fentanyl-Pflaster eingeleitet. Als neurologisch gesicherte Diagnose wurde eine Trigeminusneuralgie angegeben. Angesichts der Therapieresistenz wurden auch interdisziplinäre Therapieansätze unter Einbezug von Zahn-, Kieferorthopädie, Neurologie und Neurochirurgie sowie spezieller Schmerztherapie mit seriellem ganglionären Opioid analgesierend im Kopfgelenksbereich durchgeführt, die aber gänzlich ohne Effekt blieben. Vor der bereits indizierten Thermokoagulation des Ganglions Gasseri erfolgte die Hinzuziehung eines Manualtherapeuten. Der chirodiagnostische Befund zeigte eine ausgeprägte Irritation der unteren Kopfgelenke mit einem nahezu kirschkerngroßen Irritationspunkt C2 links und erheblicher Bewegungseinschränkung des Axis hinsichtlich Rotation und Lateralflexion nach links. Die neurologische Untersuchung war unauffällig, ohne jegliche sensomotorischen Defizite.

Die Bildgebung zeigte im Nativ-Röntgen eine normale Struktur der Cervicalsegmente, insbesondere unauffällige Kopfgelenke, unterhalb HWK 3 erstgradige Degeneration ohne pathologische Auffälligkeiten.

Eine Therapie mit subokzipitalem Release sowie C1- und C2-Mobilisierung in Verbindung mit Muskelenergietechniken und neuromuskulärer Therapie bringen eine deutliche Verbesserung der Beweglichkeit im Bereich der Kopfgelenke.

Bei der Kontrolluntersuchung nach 5 Tagen wird berichtet, dass nach anfänglich starker subjektiver Schmerzzunahme der Schmerz letztendlich gänzlich verschwunden war und auch Sprechen, Zähneputzen und Kauen ohne Schmerzentstehung möglich war. Im Verlauf der weiteren 4 Wochen Angabe der Schmerzintensität auf der VAS von 3-4. Zusammenfassend wurde eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität angegeben.

Unter Fortsetzung der manuellen Therapie und der kräftigenden Remobilisierung im HWS-Bereich langsame weitere Schmerzreduktion (VAS um 1-2). Fazit für die Praxis: Auch anscheinend klassische Trigeminusneuralgien können durch die bekannten Verschaltungen der Trigeminuskerne im Bereich des oberen Halsmarkes von schweren Bewegungsstörungen im Kopfgelenksbereich ausgelöst werden. Es lohnt sich Nocigeneration im Kopfgelenksbereich möglichst fröh in der Krankheitsanamnese durchzuführen.

H. Locher, Lindauer Str. 16, 88069 Tettnang